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19. Dezember
Schwester Michaela und ich sind unterwegs in ein Dorf nach Malzi, zum schwarzen Berg. Es ist wirklich dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Wir holpern mehr, als wir fahren und die Gehöfte sind armselig, die meisten auch verlassen. Wir suchen eine alte Frau auf – über 80 Jahre. Sie lebt mit ihrem Mann in einem dunklen brüchigen Steinhaus – mindestens auch ein gutes Menschenalter alt oder jung. Die zwei alten Leutchen haben bis vor drei Monaten allein gelebt; die Söhne sind im Ausland, die Tochter lebt in Shkoder. Aber ihr Mann ist schwer unheilbar krank und sie selbst hat ein kaputtes Kniegelenk.  Die beiden Alten sind allein und zufrieden gewesen. Es gibt nur wenige Stunden schwachen Strom hier, das Wasser muss 200 Meter weit am Strassenrand an der allgemeinen Wasserleitung geholt werden. Und dann vor drei Monaten traf die alte Frau der Schlag. Seitdem sind fast die bröckeligen Steine vom Haus ins Wanken gekommen. Und die Ärzte haben gesagt, dass sie für immer gelähmt bleiben wird. Nach drei Wochen wurde sie dann nach Hause geschickt. Die Sprache kam irgendwann wieder, das Gedächtnis auch, aber sie war halt gelähmt, weil sich niemand kümmerte und hinschaute. Nun wurden wir gerufen. Wir betreten das uralte Steinhaus, eher ein dunkles Loch. Der alte Mann schaut uns mit gütigen glänzenden Augen wie ein Weltwunder an. Dass jemand kommt und sich kümmert, das ist für ihn völlig neu. Die Tochter ist da, muss aber dann weg – heim zu ihrem Mann. Der Weg ist weit; es fährt kaum ein Bus. Sie kommt, wann immer sie kann. Und dann ist da die Frau, die der Schlag getroffen hat. Sie liegt schon im Pflegebett, das wir sofort vor ein paar Tagen bringen konnten. Ich stelle fest, dass sie ja bewegen kann. Sie hat keine Lähmung mehr, sondern die Immobilität ist ihr Problem geworden. Die alte Frau schaut mich ungläubig an, als ich ihr sage, dass sie nicht gelähmt ist, dass ihr Mann sie noch braucht und Gott sie auch noch auf der Erde haben möchte. Und in kurzer Zeit sitzt sie am Bettrand, stützt sich mit beiden Händen auf und verlagert ihr Gewicht auf die Füsse. Sie steht und macht zwei Schritte. Ihr Mann weint vor Freude und dann ist plötzlich die Glühbirne aus. Stockdunkel ist es in dem kleinen Wohnloch. Es gibt hier kein Fenster. Das haben sie für den Winter verrammelt. Irgendwann ist die Kerze angezündet. Die wackelt auf dem Tisch mit ganz viel Gruscht. Es ist eng und ich wehre mich gegen die in mir aufsteigende Vorstellung, dass die sich bald mal abfackeln. Die beiden alten Leute sind zufrieden. Sie bedanken sich viele Male und ich spüre ihren Frieden, der die ganze Hütte ausfüllt wie das Kerzenlicht. Die Frau braucht Hilfe, sie könnte auf die Füsse kommen. Aber alleine schaffen sie es nicht. Erstmal ersetzen wir die offenen Kerzen mit einer Laterne. Es schimmert die Hoffnung und wir werden eine Lösung finden.


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