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15. Dezember
Die bange Frage

Die Mutter ist noch jung, hat aber bereits das dritte Kind geboren mit ihren 23 Jahren. Sie ist nervös, als sie das kleine Bündel im Arm aufpackt und mir zeigt. Sie guckt genau auf meine Reaktion, das spüre ich förmlich. Ich schaue die Kleie an und frage die Mutter nach dem Namen ihrer kleinen Tochter. Sie heisst Elisa, sagt sie verwundert. Ich spreche nun mit ihrem Baby. Die Mutter kann es nicht einordnen und sagt: «Guck mal die Papiere an vom Krankenhaus, meine Tochter ist krank und hat viele Probleme.» Ich sage ihr, dass ich dies weiss, aber dass ich ein wenig mit der Kleinen sein möchte, bevor ich mir das Papier angucke. Elisa schaut immer nach hinten oben und verdreht dazu den Kopf auch nach hinten. Ich nehme ihr Köpfchen und versuche, die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Sie reagiert ein wenig. Ich stelle fest, dass Elisa mit drei Monaten den Kopf noch nicht halten oder kontrollieren kann. Ihr Körper ist mager, die Finger sehr auffällig lang. Ich versuche, sie zu bewegen und Reaktionen hervorzulocken. Es ist mir schnell klar, dass Elisa viele Probleme hat; ich denke an eine genetische Sache. Eine Gaumenspalte ist klar. Die Mutter bittet um Milchpulver, da sie nicht stillen kann und ihr gesagt wurde, dass Elisa dieses teure Milchpulver braucht. Sonst haben die Ärzte zu ihr gesagt, dass sie halt mit allem spät dran sein wird und sie soll mit dem Kind in 6 Monaten wiederkommen, dann werde man weitersehen. Ich atme mal kurz tief durch. Im Arztbericht steht lediglich, dass das Kind schwach ist, eine Gaumenspalte aufweist und viele Probleme hat, nicht «normal» ist. Keine weitere Diagnostik, nichts. Dann guckt mich die Mutter klar und fest und die Wahrheit fordernd an und fragt mich mit zitternder Stimme: «Schwester, ist mein Kind mit Downsyndrom?» Sie hat Tränen in den Augen, aber sie sucht weiter fest meinen Blick. Ausweichen ginge nicht und will ich auch nicht.

Ich rücke zu ihr hin und sage folgendes: «Du, Dein Kind ist Dein Kind – egal was es hat oder nicht hat. Es lebt und es ist Dir gegeben. Und – ja, die Kleine hat Probleme, vielleicht auch das Downsyndrom.» Ich erkläre ihr, dass ich das nicht genau feststellen kann, aber es kann sein. Ich sage ihr auch, dass es noch andere ähnliche Syndrome gibt. Ich frage sie dann, wer ihr denn davon gesagt habe. Und sie erzählt mir, dass niemand was sagt, aber sie selbst das Gesichtchen von Elisa gut angeschaut und dann gegoogelt hat. Dann fand sie das Downsyndrom. Ich erkläre ihr, dass es jetzt darum geht, dass sie lernt, mit Elisa richtig umzugehen, das zu fördern, was man fördern kann.

Ich erkläre ihr einige Handlings im Umgang mit dem Baby. Und ich sage ihr, indem ich ihr jetzt in die Augen schaue, dass sie nicht schuld ist, dass Elisa so auf die Welt gekommen ist. Sie weint vor Erleichterung und krallt sich an mir fest. Sie hat gelitten.

Und nun haben wir ein kleines Sorgenkind mehr, aber Elisa wird mit ihrer Mutter ihren Weg finden, solange sie hier auf der Welt ist. Wir tun, was wir können, um Elisa und ihre Familie zu stützen.

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