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22. Dezember
Im Kirtal

Der Fluss Kir ist bekannt, dass er wild kommt, wenn er kommt. Das Kirtal hinein in die Berge des Dukagjin zeigt mir immer wieder, was Wildheit ist, wie kantig dieses schöne Land Albanien das Leben spiegelt und auch, wie Tod und Leben untrennbar zusammengehören – auf das Leben hin – endgültig. So kurz vor der Heiligen Nacht sind wir unterwegs zu Pjeter, unserem schwer an Krebs erkrankten Christbaumbringer. Die Kurven sind eng und Schwester Michaela nimmt sie trotzdem geschmeidig. Das Wasser der Kir schimmert blau vom Flussbett rauf. Die Berge sind schon voller Schnee; wir sind noch tiefer. Wir kommen an der Hängebrücke vorbei, über die wir mussten, als wir eine Familie aufsuchten, die im Stall mit den Tieren lebte. Dann an der Abzweigung, wo Abdul lebt, ein Mann, der seine schwerst behinderte Tochter auf dem Rücken zu uns geschleift hat. Wie Schwester Michaela da vorbei kutschiert, so sind etliche Jahre auch vorbei gegangen – mit dem Wasser der Kiri vielleicht ins Meer der Erinnerungen versunken. So denke ich und lasse die Begegnungen im Kirtal vorbeiziehen. Und wir erzählen Donata, die dabei ist, ein paar Geschichten, die wir hier im Tal erlebten. Dann sind wir am Steinhaus von Pjeter. Seine Frau und die jüngste Tochter sind im Hof, der eigentlich ein Steilhang ist und machen Holz. Pjeter kann diese Arbeit nicht mehr tun; er ist in der letzten Phase seines Lebens. Sie wissen es. Seine Frau kam letzte Woche von Frankreich, nachdem ich ihn gebeten hatte, seine Frau über seine Krankheit zu informieren. Sie akzeptieren völlig ergeben diese Situation. Ich kann da nur staunen. Keine Klage, keine Warum-Frage. Der Kranke sagt nur immer wieder: «Wir haben Euch und Gott und das ist genug.»

Wir bringen ihm das göttliche Kind in einer Krippe und er küsst es und dankt uns, dass wir diesen Weg gemacht haben. Die kranke Tochter mit dem zerschmetterten Knie ist in Frankreich geblieben, weil sie auf eine Operation Ende Januar hofft. Pjeter zeigt uns das Krankenbett, das wir seiner Tochter damals nach dem Unfall gebracht haben. Es ist noch an demselben Platz. Und nun hat der Vater diesen traurigen Platz eingenommen.

Als wir dann gehen, habe ich den Eindruck, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Pjeter wünscht uns ein frohes Fest und setzt alles daran, uns noch nach draussen zu begleiten. Beim Heimweg glänzt die untergehende Sonne rötlich an einer steilen Bergwand und das Wasser der Kir singt vielleicht schon für Pjeter den Lockruf ins ewige Leben.


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