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8. Dezember
Die Frau

Sira bringt ihre Mutter in die Ambulanz. Sie ist im Militärdress und mit Männerkappe bis tief in die Stirn und trägt eine Patronenhülse als Kette. Sie fährt mich an, als ich sie frage, warum sie diese Kette trägt. Sie droht mir mit eiserner Miene mit einer Kugel, wenn ich weiter so neugierig frage.

Ich behandle die Mutter, und habe den Impuls, die Frau aus dem Haus zu bitten und im Garten auf die Mutter zu warten. Doch dann blicke ich ihr kurz in die Augen und ziehe sie aus der Ambulanz auf den Korridor und ich weiss eigentlich gar nicht so recht, warum. Ich tippe an ihr Herz und sage, dass ich das Gefühl habe, dass sie da eine Mauer rumgebaut habe und sie viel Schreckliches erlebt haben muss. Sie guckt mich entgeistert an als hätte ich in ihre Seele geschaut und nickt und krallt sich an mir fest und weint hemmungslos als hätte ich einen Staudamm geöffnet.

Das war vor einigen Wochen. Sira ist seit der ersten Begegnung einige Male bei mir gewesen. Sie ist verwandelt. Ihre Lebensgeschichte ist unbeschreiblich: isoliert, kein Recht auf Schule, zwangsverheiratet, dann Gewalt ohne Ende. Ihr Weg in dieser Katastrophe ist so, dass ich vor dieser Frau nur den Hut, bzw. Schleier ziehen kann. Nun sagt sie, dass sie zum ersten Mal Glück erlebt, Achtung, sie fühlt sich als Frau. Wir haben ihr vom Transport Kleider geschenkt. Sie wagt es, diese nun anzuziehen. Sie braucht keinen Schutz mehr durch Männerkleidung. Statt der Patronenhülse trägt sie einen ganz flotten Halsschmuck, den ich aus Hilfsgütern habe. Dann lade ich sie auf einen Kaffee ein und auf dem Heimweg kaufe ich ihr einen Blumenstock: rote Alpenveilchen. Ihre Augen glänzen und sie weint und sagt, dass sie noch nie im Leben eine Blume bekommen habe.  Und irgendwann zeigt sie mir einen Malblock mit Zeichnungen, die sie gemacht hat während ihrer wirklichen Leidenszeit. Sie ist voll begabt und hat während dieser Zeit heimlich vier Sprachen gelernt. «Im Kuhstall», wie sie sagt. Und sie möchte mehr von Gott wissen, ob sie «richtig» betet, fragte sie mich auch. Und nun hat Sira uns zum Marientragen die schwangere Muttergottes mit Josef und dem Esel unterwegs nach Betlehem gemalt. Und ich denke, dass die Frau, die nun diese Muttergottes auf dem Weg gemalt hat, der Frau mit dem göttlichen Kind ähnlicher ist als sie ahnt. Dieses stille Geheimnis zwischen Maria und Sira ist im Bild verewigt und muss wohl auch Geheimnis bleiben, heiliges Geheimnis.

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