Dobrac
Kloster Mutter der
Barmherzigkeit, Dobrac

06.07.2020 Aktueller Situationsbericht aus dem Klösterle in Albanien

Liebe Freunde in der Heimat

Es ist heiss, seit Tagen haben wir hier bis zu 38 ° und hohe Luftfeuchtigkeit.

Gott sei Dank ist die online-Schule für die Kids erstmal in Ferienpause; wie es dann im September weitergeht, wird sich zeigen. Damit bin ich schon bei Corona – ob ich will oder nicht. Die Krise hat den Westbalkan und damit auch Albanien nun voll getroffen, die letzten Monate waren die Erkrankungszahlen eher gering. Nun scheint das Gesundheitssystem, das sowieso schon marode war am Rande des Kollaps zu sein. Wir waren bis vor kurzem Anlaufstelle für viele, viele Patienten, die in den Krankenhäusern nicht mehr versorgt wurden, da Stationen geschlossen waren. Nun sind wir seit einer Woche in Selbstisolation, da wir engen Kontakt hatten mit einer Familie, die nun von Corona betroffen ist. Mich hat es mit Symptomen erwischt und ich brauche wohl etwas Zeit zur Erholung.

So versorgen wir die Patienten nicht mehr hier vor Ort, sondern sind auf Anleitung zur Selbstversorgung umgestiegen. Das Material geben wir mit nach Hause. Wir hoffen, dass wir in Kürze wieder die Schwerkranken daheim versorgen können. Die Krankenbetten sind alle vergeben; wir sind sehr froh um die Betten, die zum nächstmöglichen Zeitpunkt des Transportes kommen sollen. Und wir hoffen, dass uns Verbandsmaterial so lange ausreicht.

Wie ja oft in den westlichen Nachrichten kommt, trifft Corona und die Auswirkungen die armen Länder besonders hart. Das gilt auch für Albanien, das ja zu Europa gehört. Viele haben ihre Arbeit verloren; die Tagelöhner können seit Monaten nicht mehr in die Nachbarländer. Kleinunternehmer sind bankrott, Fabriken dicht. Hier gibt es kein Hilfspaket für die Betroffenen. Die Urlauber bleiben aus, da für Albanien eine dringende Reisewarnung besteht. Wir sind hier im Norden so ein «Kap der Hoffnung» geworden. Wir spüren es jetzt, da wir sozusagen abgeschottet sind. Viele, Viele rufen besorgt an, viele Arme bringen noch das letzte vorbei, das sie im Garten haben und warten auf die erneute Öffnung der Klosterpforte und bangen wohl etwas zu sehr um uns. Ich selbst muss ein wenig mehr Geduld damit haben, dass ich  noch schnell sozusagen ausser Atem bin. Unsern geplanten Urlaub in Deutschland haben wir bereits abgesagt, da wir mit unseren zwei albanischen Kids nicht einreisen können. Wir sind mehr als dankbar, dass so viele von Euch in der Heimat uns hier weiter unterstützen und dass Corona nicht die Grenze zur Solidarität für Euch ist. DANKE.

Wir wünschen Euch allen Gottes Segen und Erholung in einer vielleicht etwas anderen Sommerzeit.
Sr. Christina mit Sr. Michaela und den Kids

04.01.2020 Ankunft der Weihnachtstrucker

Erfahrungsbericht meines Aufenthalts in Albanien, Shkodra während der Ankunft der Weihnachtstrucker

Von Ingrid Müller

Intention der Reise
Bei unserer Jahreshauptversammlung des Fördervereins Ende November ´19 war Schwester Christina persönlich anwesend und berichtete über die aktuelle Lage in Albanien und bevorstehende Ereignisse – so auch die Aktion der Johanniter Weihnachtstrucker. Schon sehr lange hatte ich den Wunsch all das, wovon Sr. Christina immer berichtet, einmal selbst zu erleben. Kurzerhand entschloss ich mich, nach Albanien zu fliegen, um die Schwestern vor Ort zu unterstützen.


Reisevorbereitung
Für etwaige Reisevorbereitungen blieben mir nur knapp vier Wochen, was für meine Verhältnisse nicht gerade viel ist. Normalerweise lese ich vor einer Reise in ein mir unbekanntes Land einen Reiseführer, versuche die wichtigsten Wörter und Phrasen in der Landessprache zu lernen, informiere mich über Zahlungsmittel, Reisemöglichkeiten, u.v.m.  Zu all dem kam ich vor dieser Reise nicht, da die Vorweihnachtszeit klassisch gefüllt war. Einzig geklärt war, wie ich vom Flughafen in Podgorica, Montenegro nach Shkodra, Albanien zum Kloster komme. Dafür hat Sr. Christina einen Fahrer engagiert, der mich am Flughafen mit einem Schild mit meinem Namen abholen würde. Die Anreise per Flug sei momentan zeitlich die günstigste, da es Direktflüge von Memmingen nach Podgorica gibt und Shkodra nur ca. eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto entfernt ist. Eigentlich wäre ich der Umwelt zu Liebe gerne mit dem Zug angereist. Davon hat mir die Schwester allerdings schnell abgeraten, weil es Tage dauern würde, da der Bahnverkehr nach Shkodra derzeit lahm gelegt sei.


Anreise und Ankunft
Am 27.12.19 ging es dann in aller Frühe und mit ein bisschen mehr Aufregung als sonst los. In Podgorica gelandet stand Elvis, der Fahrer, schon am Flughafen bereit. „Prima, das hat ja reibungslos geklappt.“ Aber jetzt gut eine Stunde mit jemandem im Auto zu sitzen, ohne sich unterhalten zu können, bei soviel Wissensdurst über dieses Land war anfangs emotional eine Herausforderung. Elvis spricht ein paar klitzekleine Brocken Englisch, ich kein einziges Wort Albanisch, was mir ganz schön unangenehm war. Bisher war es mir auf Reisen meist möglich, mir mit meinen Sprachkenntnissen in Latein, Englisch, Französisch oder Spanisch ein paar Worte herzuleiten; aber nein, dieses Mal hatte ich keine Chance. Also blieb mir nichts anderes übrig, als Elvis irgendwie zu erklären, er müsse mir jetzt Albanisch beibringen. Und so habe ich angefangen meine Hand in meiner eigenen Lautsprache mit albanischen Begriffen zu beschriften, um sie mir einzuprägen. Alles, was so am Auto vorbeigeflitz ist, versuchte ich mir zu merken, zumindest ein paar Wörter blieben hängen (Danke, Bitte, zählen von 1-10, guten Morgen, Berge, Kuh, Schaf,…). Im Kloster angekommen, wurde ich herzlichst empfangen und habe mich sofort wie daheim gefühlt. Beim Mittagessen gab es dann gleich eine kurze Einweisung über den Ablauf der nächsten Tage und man spürte ein wenig die Anspannung, die sich breit machte hinsichtlich der Ankunft der Weihnachtstrucker und der Verladung und Verteilung der Hilfspakete.


Verladung und Verteilung der Hilfspakete
Das Ausmaß an Vorbereitungen und die koordinative Höchstleistung der Schwestern vorab wurde mir erst im Nachhinein richtig bewusst. Die Hauptverteilung fand am Fruchthof statt (Händlergroßmarkt für hauptsächlich Obst und Gemüse). Hier konnten die LKWs der Johanniter während des ganzen Aufenthalts guten Gewissens stehen bleiben, da dieser Platz 24 Stunden von einem Wächter überwacht wird. Außerdem haben die Schwestern dort ein „Magazin“ (vgl. Garage) angemietet, in der einige hundert Pakete zwischengelagert werden konnten. Des Weiteren gab es eine Liste mit Dörfern/Stadtvierteln/Orten und dazugehöriger Person, die dort die Verteilung übernahm, sowie die jeweilige Anzahl der dort benötigten Pakete. Für jeden einzelnen Verteilungsort gab es wiederum ein Verteilungskonzept, „damit alles möglichst geregelt abläuft und kein Krieg ausbricht“, so Sr. Christina. Die koordinative Gesamtleitung übernahm Sr. Michaela, Sr. Christina war auf Grund einer fiesen Grippeerkrankung leider nur bedingt einsatzfähig. Sie fuhr nur in Gebiete mit, in denen es von großer Bedeutung war, als Respektsperson vor Öffnung der Transporter zu einer geregelten und gewaltfreien Verteilung aufzurufen. Dann wurde sie wieder ins Bett zurück geschickt.
Das Abladen der Pakete verzögerte sich leider um einen halben Tag, da es am albanischen Zoll Probleme gab, die den ganzen Ablauf um eine halbe Stunde verschoben. Diese halbe Stunde fehlte dann am städtischen Zoll in Shkodra, der an diesem Tag um 15.00 schloss und die Behörden keine Ausnahme für die Trucker machten, die um 15.05 angekommen waren. Auch  Sr. Michaela, die die Einreise der Trucker nach Albanien von Anfang an begleitete, konnte die Zollbeamten nicht überzeugen zumindest noch einen LKW durch die Kontrolle zu lassen, um diesen schon einmal zu entladen. Leicht frustriert über die Verzögerung stellten die Johanniter ihre LKWs beim Zoll ab und wurden erst einmal im Kloster gestärkt. Währenddessen versuchte Sr. Michaela den ursprünglichen Verlade-Zeitplan umzuorganisieren und alle Beteiligten zu informieren.


 28.12.19 „Großkampftag“
Gleich in der Früh fuhren der Konvoi-Leiter und Sr. Michaela zum Zoll und kurz darauf konnte mit der ganzen Verlade-Aktion begonnen werden. Das Magazin wurde gefüllt, nach und nach kamen Kleintransporter und Busse, die Ladungen von 70 bis 900 Pakte abholten. Alle verfügbaren Leute packten mit an. Angefangen bei den Johannitern und den albanischen Verteilern mit deren Helfern, über Elisabeth (sie macht ein freiwilliges soziales Jahr im Kloster), Lukas und Maria (ein langjähriger Freund der Schwestern und seine Freundin, die extra aus der Schweiz angereist sind) und ich bis hin zu Sr. Michaela, die ein Höchstmaß an multi-tasking-Leistung erbrachte (verladene Pakete zählen, währenddessen mit den nächsten Verteilern telefonieren, neue Paletten mit dem Hubwagen ankarren und  wenn die Menschenkette zu kurz war, reihte sie sich selbst mit ein).

29.12.19 Letzter Tag mit den Johannitern
Das meiste war am Tag zuvor schon gelaufen.  Dieser Tag war ein Wechsel zwischen dem Warten bis die entladenen Verteiler-Fahrzeuge wieder zum Befüllen kamen und dem Leerräumen der LKWs, sowie dem Umpacken von zu leichten oder kaputten Paketen, denn jedes einzelne wird dringend gebraucht.
Auch nach Abreise der Johanniter ging die Verteilung weiter und wir sind immer wieder raus zum Fruchthof gefahren, um die Transporter neu zu beladen. Und das geht noch die nächsten Tage so weiter, bis alle Pakete ihr Ziel erreicht haben.
An dieser Stelle möchte ich den albanischen Verteilern (Sokol, Nikola und Erwin, u.v.m.) meinen vollen Resekt aussprechen und ihnen Danke dafür sagen, dass sie täglich mehrere Stunden rausfahren, teilweise auch in Begleitung von zwei Polizisten, und die Hilfspakete verteilen, was nicht immer eine leichte Aufgabe darstellt. Trotz der scheinbar immensen Anzahl an Paketen können nicht alle, sondern nur die Ärmsten der Armen welche bekommen, wodurch es oft zu Diskussionen, Frustration und eben manchmal auch Aggression beim Verteilen kommt.


Der „ganz normale Alltag“ im Kloster
Wenn es ihn gibt, dann habe ich ihn in der kurzen Zeit nicht so ganz kennenlernen können. Und dennoch hatte ich das Gefühl einer gewissen Routine und dadurch auch Geborgenheit. Das ganze Kloster-Team (alle Angestellten, die Praktikanten, freiwilligen Helfer, die Schwestern mit Toni und Abraham, den zwei Pflegekindern) wirkte so eingespielt, dass sie auch diese Ausnahmesituation nicht aus der Rolle brachte. Es gab immer etwas zu tun und alle haben zusammengeholfen, sei es bei der Verpflegung der ganzen „Klosterfamilie“ und den ca. 12-15 zusätzlichen Personen (Johannitern, freiwillige Helfer, etc.), den ganzen Haushaltstätigkeiten, der Versorgung von Antonio, der Aufgrund seiner Behinderung eine 24-Stunden Betreuung braucht, der Versorgung der Notfallpatienten in der Krankenstation des Klosters u.v.m.  Jedoch am meisten beeindruckt hat mich, dass trotz dieser Ausnahmesituation in so vielen kleinen Momenten soviele Zeichen von Menschlichkeit, Nächstenliebe und gegenseitiger Wertschätzung zu sehen und zu spüren waren.
Danke hierfür an das ganze Kloster-Team!
Danke auch an Sokol und Irena
, die uns alle am Abend des „Großkampftages“ zu sich nach Hause eingeladen haben und uns mit den leckersten albanischen Spezialitäten verköstigt haben.


Und Danke an Sr. Christina und Sr. Michaela für ihren unermüdlichen Einsatz in Albanien!

Danke für diese so wertvolle Erfahrung, die mich erdet, inspiriert und motiviert weiterzukämpfen für eine bessere Welt!



Ostergruss

... Wenn wir nun diese Ostergrüsse an Euch übermitteln, kommen unsere Wünsche aus dem Chaos, aus Armut und Hoffnungslosigkeit der Bevölkerung. Corona und die Folgen der Krise schlagen knallhart ein:
In Schlangen betteln sie nun vor dem Tor – die vielfache Anzahl als in normalen Armutstagen. Viele haben bereits jetzt ihre Arbeit verloren, Renten wurden nicht ausgezahlt, die Roma können nicht mehr betteln, nicht mehr Alteisen sammeln, die ganz Elenden schaffen es in der einen Stunde die pro Tag für den Einkauf genehmigt ist, nicht mal mehr die Mülltonnen zu räumen. .... -> mehr
Osterbild kl

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