Unsere Klöster

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Foerderverein
Magdalenastiftung
Rundbriefe
Tiefes Schweigen umfing das All
Advent 2020
JRB
Tiefes Schweigen
umfing das All.
Die Nacht hielt inne
in der Mitte ihres Laufes.

Da stieg
dein allmächtiges Wort
hernieder
vom königlichen Thron.

Antiphon der Weihnachtszeit
                                                                                                         
Rheinau, im Advent 2020


Liebe Brüder und Schwestern im HERRN, Liebe Freunde unserer Gemeinschaft,

das allmächtige Wort stieg hernieder – Gott, unser Retter, ist zu uns gekommen, hat Fleisch angenommen. Da können wir doch nur – zusammen mit der ganzen Schöpfung – den Atem anhalten und in Andacht niederfallen. Ja, das ganze All umfängt tiefes Schweigen vor dem Unermesslichen, das in dieser Heiligen Nacht geschieht – Gott wird Mensch, Gott kommt um uns zu erlösen. In der Verborgenheit, in der Einfachheit des Stalles und im Schutze der Nacht gebiert Maria das göttliche Kind.

In diesem Jahr ist es stiller geworden um uns herum, wir wurden aufgefordert inne zu halten - zu Hause zu bleiben, Social Distancing einzuhalten. Und ich frage mich immer wieder, ob wir verstehen und begreifen, was Gott uns durch diese Zeiten lehren will? Mir scheint es, dass es eine sehr deutliche Einladung an uns alle ist, dass wir in dieses tiefe Schweigen mit der ganzen Schöpfung eintauchen, wirklich stille werden und innehalten, um offen zu werden für die Begegnung mit IHM. IHM bieten wir unser Herz als Krippe an, dass ER die Nächte unseres Lebens erhellt.

Haben wir nicht alle in diesem Jahr deutlich die Erfahrung gemacht, wie sehr wir die Nähe Gottes nötig haben? In aller Ungewissheit und Angst, in aller Verwirrung und dem Widerstreit der Meinungen dürfen wir im göttlichen Kind Rettung und Halt finden. Auf IHN setzen wir unser Vertrauen, der allein die Geschicke der Welt zu ändern vermag, der unsere Einsamkeit erhellt und uns den Frieden bringt. Papst Benedikt hat es einmal so gesagt und seine Worte ermutigen uns auch für unsere aktuelle Zeit: ER ist das Licht, das mit seinem Erscheinen die Finsternis zerreißt, die Dunkelheit vertreibt und uns erlaubt, den Sinn und den Wert unserer Existenz und der Geschichte zu verstehen. Jede Krippe ist eine schlichte und beredte Einladung, das Herz und den Verstand für das Geheimnis des Lebens zu öffnen.

Auch bei uns im Haus der Stille ist es stiller geworden. Durch die Einschränkung in der Gästeaufnahme und bei der Durchführung von Anlässen haben wir uns auch gefragt, was der Anruf Gottes ist in der aktuellen Situation. Heisst das nicht auch, bewusster im Augenblick zu leben? Planungen sind unsicher geworden, was heute ist, ist morgen nicht mehr – nur eines hat Bestand, eine Sicherheit haben wir – Gott ist mit uns. Durch die Annahme der Umstände, die uns zugemutet wurden und werden, haben wir auch viel Segen erfahren in vielerlei Hinsicht. Nähe zu den Menschen, die Seelsorge bekam ein ganz anderes Gewicht und neue Tiefe. Auch unser Apostolat hat sich in diesem Jahr verändert. So war es uns ein Anliegen, die Menschen zu begleiten, die vermehrt unter dem Alleinsein und der Einsamkeit litten.  Ein Besuch im Heim oder Daheim, die Telefonanrufe oder mal eine Nachfrage per Mail konnten so manches Herz leichter machen und wissen lassen, dass sie nicht allein sind und Gott ihnen nahe ist.

Auch uns ist bewusster geworden, dass unter all den Beziehungen eine Beziehung ist, die die wichtigste ist, die uns trägt und die uns all das schenkt, was wir nötig haben – die Beziehung zu Gott. Das Verweilen vor Gott in Gebet und Anbetung war und ist immer wieder unsere Kraftquelle. Von IHM her hat das Leben in aller Endlichkeit und Gebrochenheit eine Perspektive über den Tod hinaus. Gottes Wirken ist unaufhaltsam und spürbar, wo man sich auf IHN verlässt.

Dieses Wirken Gottes durften wir in diesem Jahr sehr spüren in der konkreten Erfahrung, dass ER mit uns ist und uns auch viele Freunde und Weggefährten zur Seite gestellt hat. Nicht zuletzt danken wir all unseren Wohltätern, allen die mit uns unterwegs sind in der grossen Gebetsgemeinschaft auf dem Weg zum Vater hin oder die uns auch ganz praktisch geholfen haben. Allen lieben Freunden unserer Gemeinschaft sei ein herzlicher Dank!

Ein spürbarer Verlust ist der Heimgang von Domherr Casetti Anfang des Jahres. Er war uns ein wichtiger und wertvoller Begleiter über viele Jahre. Über den Tod hinaus bleiben wir mit ihm in dankbarer Erinnerung verbunden für all das Gute, das er für unsere Gemeinschaft getan hat.

Nach einem Sabbatjahr hat sich Sr.M.Jacoba entschieden nicht mehr in die Gemeinschaft zurück zu kehren. Sie hat sich über viele Jahre wertvoll in unsere Gemeinschaft eingebracht durch ihr Sein und Wirken. Ihr Weggang ist für uns ein schmerzlicher Verlust. Vor dem Geheimnis des Weges, den Gott mit jedem Menschen geht, können wir nur schweigen. Gottes Segen begleite sie.

Nachdem wir fast alle Gebetstage und grösseren Anlässe infolge Corona absagen mussten, war dann doch unser Gebetstag im August ein besonderes Highlight, den wir unter etwas anderen Umständen in der Klosterkirche und im Innenhof der Musikinsel durchführen konnten. Was für eine Freude war es, sich wieder zu sehen und sich im Gebet zu vereinen und Gott anzubeten.

Auch Gäste konnten wir, ausser in der Lockdown-Zeit, mit den empfohlenen Massnahmen immer aufnehmen. So werden wir unser Haus weiterhin offenhalten, solange wir gesund bleiben und wir die nötigen Massnahmen einhalten und durchführen können. Es ist uns wichtig, dieses Angebot weiterhin zu ermöglichen für all jene, die in dieser Zeit einsam sind, die Bestärkung im Gebet suchen oder wieder einmal Gemeinschaft erfahren oder ihre Nöte teilen möchten.
 
Unsere Mitschwestern aus Albanien konnten leider in diesem Sommer mit den beiden Jungs nicht kommen, da wegen Corona die Reisefreiheit eingeschränkt war. So reiste dann Sr.M.Josefa für zwei Wochen zu ihnen, um etwas Ferienentlastung zu ermöglichen. Die Coronasituation ist in Albanien deutlich schwieriger als hier zu Lande. Sr.M.Christina berichtet regelmässig aus dem Alltag vom Kloster in Dobrac. Wer neu ihre Rundbriefe lesen möchte, kann sie über unsere Homepage abrufen. Wir senden sie Ihnen auch gerne per E-Mail zu, eine Nachricht genügt.

In anbetender Stille dürfen wir vor der Krippe stehen. Gott ist mit uns – unter uns. ER wird mit uns allen auch durch das kommende Jahr gehen, das viel Ungewisses birgt. ER ist unser Licht, das jegliche Finsternis zerreisst, die Dunkelheit vertreibt und unserm Leben Sinn und Richtung weist.

Ihnen allen wünschen wir gnadenvolle Weihnachten und Gottes Schutz und Segen für das Neue Jahr.

Mit einem weihnachtlichen Gruss aller Schwestern und DANKE für Ihre treue Verbundenheit

Sr. M. Benedicta